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Ein Auto zum “Quieken”
Ein Kunde kam ins Autohaus und beanstandete, dass bei seinem PKW seit geraumer Zeit seltsame “Quiekgeräusch” während der Fahrt zu hören seien. Allerdings, so der Fahrer, sei dieses Quieken nur bei Trockenheit zu vernehmen. Der Werkstattmeister führte mit dem Kunden eine Probefahrt durch und konnte feststellen, dass dieses beschriebene Geräusch aus dem linken Eck des Armaturenbrettes zu vernehmen war.
In Absprache mit dem Kunden wurde der Arbeitsauftrag erstellt. Die Anweisung für den Mechaniker lautete: “Armaturenbrett aus- und einbauen, sämtliche Anlageflächen Schalttafel|Karosserie unterlegen”. Der Mechaniker zerlegte den gesamten vorderen Bereich des Fahrgastraumes und unterlegte die gefundenen Kontaktpunkte -wie bei solchen Geräuschbeanstandungen üblich und wirksam- mit Schaumstoff beziehungsweise Filzklebeband. Bei der folgenden Probefahrt quiekte es allerdings immer noch. Die neuerliche Diagnose des Meisters: Geräusch kommt von der Windschutzscheibe, vom Anlagebereich des Windschutzscheibenrahmens links unten - ausgelöst vermutlich durch eine unvollständige beziehungsweise sich lösende Verklebung. Also wurde die Scheibe herausgetrennt, der “alte” Kleberauftrag nach Vorschrift nachgearbeitet und der gesamte Auflagebereich gründlichst gereinigt, bevor es an die Neuverklebung ging.
Nach der vorgeschriebenen Standzeit führte der Meister eine neuerliche Probefahrt durch, bei der es allerdings immer noch unverändert quiekte. Ratlosigkeit machte sich breit, denn mittlerweise befand sich das Auto drei Tage in der Werkstatt, ohne dass der Fehler gefunden, geschweigen denn behoben werden konnte. Der Kunde zeigte sich bereits leicht säuerlich. Unter Berücksichtigung der Meinungen aller Mechaniker-Kollegen einigten wir uns darauf, dass als Geräuschquelle eigentlich nur noch der Bereich der Scheibenwischermechanik in Frage kommen könne. Der nächste Arbeitsauftrag lautete dementsprechend: “Scheibenwischergestänge aus- und einbauen, Gebläsekasten aus- und einbauen (und hoffentlich irgendetwas finden!)”.
Wieder machte sich der Mechaniker ans Werk, diesmal schon sichtlich unmotiviert und etwas unsicher über den erwarteten Erfolg. Aber als er begann, über den vorderen linken Kotflügel gebeugt, das Wischergestänge abzuschrauben, “quiekte” etwas! Schnell wurde der Meister hinzugerufen. Der setzte sich in den Wagen und stellte fest, dass dieses Geräusch mit dem vom Kunden beanstandeten absolut identisch war. Das Quieken ließ sich nun beliebig oft reproduzieren, und zwar immer dann, wenn sich der Mechaniker von außen gegen den Kotflügel lehnte. Die Ursache war nun schnell gefunden: Das vordere linke Blinkerglas berührte den Ausschnitt im Kotflügel an einer Stelle minimal, so dass sich bei der kleinsten Bewegung des Fahrzeugs das Kratzgeräusch des Kunststoffs am Blech in Form des beanstandeten Quiekens in den Innenraum übertrug. Als Reparaturmaßnahme wurde der Blinker eingepaßt und um wenige Zehntel Millimeter nach unten gesetzt, so dass keine “Feindberührung” mehr zustande kommen konnte.
Die abschließende Probefahrt des Meisters -natürlich im Beisein des Kunden- verlief ohne Quieken, so dass der Fahrzeugbesitzer zufrieden gestellt war. Ob man aus diesem Problemfall eine allgemein gültige Lehre ziehen kann, sei dahingestellt. Aber es hat sich wieder einmal gezeigt, dass gerade bei Geräuschen der Ort des Wahrnehmens nicht zwangsläufig der Ort des Entstehens sein muss. Moderne Karosserien “telefonieren” Störgeräusche häufig durch konstruktionsbedingte Hohlräume hindurch, was die Fehlersuche nicht gerade erleichtert.
Quelle: KRAFTHAND - Aus der Reihe “Zu Ende denken”
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