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Kurioser Drehzahlbegrenzer

Ein erst fünf Jahre alter Rüsselsheimer Kompaktwagen hielt eine Werkstatt in Atem. Der Kunde beanstandete, dass der Otto-Einspritzmotor “seit geraumer Zeit bei Drehzahlen um die 5.000 rigoros abregelt”. Auch sei der Kraftstoffverbrauch gestiegen. Die MIL-Lampe leuchtete bisher allerdings noch nicht und auch am Motorlauf gab es bis zur besagten Drehzahlgrenze nichts zu bemängeln.

www.krafthand.de Die Mechaniker vermuteten daher einen Fehler im Motormanagement und lasen den Fehlerspeicher aus. Der Fehlereintrag lautete: “Nockenwellensensor/Signal unplausibel/sporadisch” und ließ sich problemlos löschen. Doch der Fehler trat nach jedem Neustart des Motors und ab einer Drehzahl von zirka 2.000/min wieder auf. Wegen der Erfahrungen mit dem verbauten Motormanagement-System entschied die Werkstatt, den Nockenwellensensor (Phasengeber) zu tauschen.

Da bei diesem Motortyp der NW-Geber -dieser arbeitet nach dem Hall-Prinzip- direkt unter dem NW-Rad sitzt, stellte ein Mechaniker den Motor gemäß Herstellervorschrift auf OT und ersetzte das nicht einstellbare Bauteil. Bei dieser Gelegenheit wurde auch der Zahnriemen inklusive aller Spann- und Umlenkrollen gewechselt. Irritiert stellte der Werkstattmeister später auf der Probefahrt fest, dass der Motor wieder nur bis etwa 5.000/min einwandfrei lief und bei höheren Drehzahlen aussetzte. Im Fehlerspeicher war wieder der bereits bekannte Fehlercode “Nockenwellensensor/Signal unplausibel/sporadisch” hinterlegt.
Im Nachhinein erinnerte sich der Mechaniker aber daran, dass nach dem Auflegen des neuen Zahnriemens die OT-Markierung der Nockenwelle nach zweimaligem Durchdrehen per Hand um einen halben Zahn nicht passte. Da er sich allerdings sicher war, nichts verdreht zu haben, fuhr er mit dem Zusammenbau fort.

Bei der nun folgenden Fehlersuche überprüfte er als Erstes die Versorgungsspannung sowie das Ausgangssignal des Sensors. Beide Prüfpunkte quittierte er mit einem eindeutigen “I.O.”. Anschließend stellte er die Nockenwellen-Steuerung um den festgestellten Abstand (ein Zahn) zurück. Wieder war die OT-Markierung ein wenig versetzt, diesmal allerdings in die andere Richtung. Die anschließende Probefahrt ergab, dass der Fehler mit dem erneuten Einstellen der Steuerzeiten behoben war. Der Motor drehte wieder einwandfrei bis in den roten Bereich und auch der Fehlerspeicher blieb leer.

Im Nachhinein vermutete die Werkstatt wegen des alten Zahnriemens einen Riemensprung, der die Steuerzeiten um einen Zahn verfälschte - mit der Folge, dass die Eigendiagnose ein unplausibles Signal des NW-Sensors erkannte. Und weil der Mechaniker beim Auflegen des neuen Steuerriemens die Positionen der Zahnräder nicht veränderte, hatte er den Fehler quasi “weitervererbt”.


Quelle: KRAFTHAND - Aus der Reihe “Zu Ende denken”






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