|
Geheimnisvolle ABS-Geräusche
Ein acht Jahre alter Kombi aus deutscher Produktion brachte sowohl seinen Besitzer als auch das Werkstatt-Team zum Grübeln: Im Geschwindigkeitsbereich von ca. 10 bis 40 km/h trat im Vorderwagen ein Geräusch auf, das dem leisen “Tackern” eines ausgeschlagenen Gleichlaufgelenks glich. Bei Geschwindigkeiten darüber und darunter blieb allerdings alles ruhig, wie die Mechaniker auf einer ersten Probefahrt feststellen.
Eine eingehende Sicht- und Funktionsprüfung sämtlicher Teile an Vorderachse und Lenkung verlief jedoch ergebnislos. Auf einer weiteren Probefahrt wurde festgestellt, dass das Geräusch bei “Zündung aus” in dem beanstandeten Geschwindigkeitsfenster nicht mehr zu vernehmen war. Daraufhin verfolgten die Mechaniker das Geräuschphänomen bis zur ABS-Einheit und wurden dort fündig: Das Relais für die Magnetventile zeigte sich deutlich erwärmt. Die Werkstatt stellte fest, dass es innerhalb des genannten Geschwindigkeitsbereiches städnig schaltete und damit das “Tackern” verursachte.
Nachdem die ABS-Fehlerlampe im Kombiinstrument “aus” war, der Fehlerspeicher keinen Eintrag enthielt und auch ein mit dem Diagnosegerät des Fahrzeugherstellers durchgeführter Stellgliedtest nichts brachte, griffen wir zum Oszilloskop, um die Ursache aufzuspüren. Reihum wurden die Signalbilder der Radsensoren geprüft. Am rechten hinteren Rad zeigten sich regelmäßig wiederkehrende, von der Raddrehzahl abhängige Abweichungen in der ansonsten sinusförmigen Signalkurve. Das fehlerhafte Sensorsignal wurde zwar von der Eigendiagnose des ABS-Steuergeräts nicht als Fehler erkannt, veranlasste das Steuergerät aber zu einem kurzzeitigen Ansteuern des Relais für die Magnetventile. Nach eingehender Inspektion wurde am Impulsrand für den ABS-Fühler, das sich bei diesem Fahrzeug fest verpresst auf dem äußeren Gleichlaufgelenk befindet, ein Haarriss festgestellt. Mit dem Erneuern des Gelenks inklusive Impulsrad war das “Tackern” beseitigt.
Quelle: KRAFTHAND - Aus der Reihe “Zu Ende denken”
|
|