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ABS-Systeme entlüften

Nach dem Austausch von hydraulischen Bremsenkomponenten muss der Mechaniker das Bremssystem entlüften. Bei den verschiedenen ABS-Generationen von Continental Teves gibt es dabei wichtige Details zu beachten.

Luft im Bremssystem verlängert den Pedalweg, vermindert die Bremskraft und führt im schlimmsten Fall zum Versagen der Bremse. Luft kann unter anderem durch Dampfblasenbildung bei veralteter Bremsflüssigkeit, defekte Bauteile oder beim Austausch von Hydraulik-Komponenten in das Bremssystem gelangen.Für die meisten Kfz-Werkstätten ist das Entlüften des Bremssystems reine Routine. Dennoch muss der Fachmann vor allem bei Fahrzeugen mit modernen Sicherheitssystemen diverse Details beachten, um einen vollständigen Austausch der alten Bremsflüssigkeit zu erzielen.

Leeren vor Füllen
Unabhängig davon, ob die Bremsflüssigkeit gewechsel oder das Hydrauliksystem nach dem Austausch defekter Komponenten neu befüllt werden muss, sollte der Fachmann als erstes die alte Bremsflüssigkeit aus dem Ausgleichsbehälter komplett absaugen. Damit wird vermieden, dass sich die neue Bremsflüssigkeit mit der alten vermischt. Nach dem Leeren ist der Ausgleichsbehälter zu reinigen, damit keine abgelagerten Schmutzpartikel während des Bremsflüssigkeitswechsels oder des Entlüftungsvorgangs in das System gespült werden.

Bei stärkerer Verschmutzung empfiehlt Continental Teves den Ausgleichsbehälter zum Reinigen gegebenenfalls aus- und danach wieder einzubauen. Als Reinigungsmittel können warmes Wasser, Spiritus oder neue Bremsflüssigkeit, nicht jedoch mineralölbasierte Reinigungsmittel, etwa Bremsenreiniger, verwendet werden. Anschließend wird der Ausgleichsbehälter mit frischer Bremsflüssigkeit komplett gefüllt und das Füll- und Entlüftergerät an den Ausgleichsbehälter angeschlossen.

Systembedingte Abläufe
Beim anschließenden Entlüften des Bremssystems ist die Vorgehensweise abhängig von der Art der Reparatur und vom jeweiligen Bremssystem. Deshalb ist es wichtig, im Vorfeld zu klären, welches Bremssystem im Fahrzeug verbaut ist. Wurden hydraulische Komponenten getauscht, die nach der hydraulischen Regeleinheit angeordnet sind, kann zum Entlüften des Bremssystems wie beim Bremsflüssigkeitswechsel vorgegangen werden: Entlüftungsgerät anschließen, Druck auf zwei bar einstellen und erst vorne links, vorne rechts, dann hinten rechts und hinten links die Bremsflüssigkeit so lange laufen lassen, bis sie blasenfrei in den Auffangbehälter austritt.

Nach dem Tausch von Komponenten, die vor der hydraulischen Regeleinheit angeordnet sind, müssen je nach Bremssystem verschiedene Entlüftungsregeln eingehalten werden, um die Luft vollständig aus dem Hydrauliksystem zu bekommen. Grundsätzlich empfiehlt Continental Teves, bei allen Systemen den Hauptzylinder vor dem Einbau mit Bremsflüssigkeit zu befüllen und zu entlüften. Damit wird verhindert, dass Luft in die hydraulische Regeleinheit gelangt. Im Einzelnen gibt es bei den ATE ABS-Systemen folgende Entlüftungs-Regeln zu beachten:

ATE ABS MK II
Beim ATE ABS MK II wird bei ausgeschalteter Zündung zunächste die Vorderachse entlüftet. Nach dem Anschließen des Entlüftergerätes an den Ausgleichbehälter wird das Absperrventil geöffnet und ein Druck von maximal zwei bar eingestellt. Anschließend wird das Entlüfterventil geöffnet, das Bremspedal durchgetreten, das Entlüfterventil wieder geschlossen und das Bremspedal gelöst. Dieser Vorgang wird so oft wiederholt, bis die Bremsflüssigkeit klar und blasenfrei am Entlüfterventil austritt. Der andere Bremssattel der Vorderachse wird auf die gleiche Weise entlüftet.

Vor dem Entlüften der Hinterachse ist das Bremspedal zunächst etwa 20 mal bei ausgeschalteter Zündung zu betätigen, um den Speicherdruck abzubauen. Danach wird der Schlauch der Auffangflasche auf das Entlüfterventil eines Bremssattels gesteckt und das Entlüfterventil geöffnet. Anschließend wird das Bremspedal betätigt und gehalten sowie direkt danach die Zündung eingeschaltet. Nun lässt man das Entlüfterventil so lange offen, bis die Bremsflüssigkeit klar und blasenfrei austritt. Danach wird das Entlüfterventil wieder geschlossen, die Staubkappe aufgesetzt und das Bremspedal gelöst.

Wichtig: Die Pumpe der hydraulischen Regeleinheit darf während des Entlüftens maximal zwei Minuten laufen. Danach muss sie mindestens zehn Minuten abkühlen, bevor der Entlüftungsvorgang fortgesetzt wird. Nach dem Schließen des Absperrventils am Entlüftergerät sollte noch so lange gewartet werden, bis der ABS-Pumpenmotor abschaltet. Danach kann der andere Bremssattel der Hinterachse auf die gleiche Weise entlüftet werden. Abschließend schaltet man die Zündung aus und nimmt den Füllschlauch des Entlüftergerätes vom Ausgleichsbehälter ab.

Achtung, Verletzungsgefahr: Das ATE ABS MK II steht unter einem Druck von 140 bis 180 bar. Daher darf grundsätzlich nur mit aufgesteckter Auffangflasche entlüftet werden.

ATE ABS MK IV bis MK 70
Das Entlüften der ATE ABS, ASR und ESP Systeme MK IV bis MK 70 erfolgt in folgender Reihenfolge: Hauptzylinder (sofern ein Entlüfterventil vorhanden ist), hydraulische Regeleinheit (sofern ein Entlüfterventil vorhanden ist) und danach die Radbremse vorne links, vorne rechts, hinten rechts und zum Schluss hinten links. Dabei sollte der Fachmann am Entlüftungsgerät einen Druck von zwei bar einstellen. Sofern für das Entlüften ein Diagnosegerät zum Einsatz kommt, ist der Druck speziell beim ATE MK IV und ATE MK 20 auf ein bar einzustellen. Während des Entlüftens sollte das Bremspedal ganz durchgetreten und danach gelöst werden. Dieser Vorgang ist im Abstand von etwa drei Sekunden fünf bis zehn Mal zu wiederholen.

Achtung: Fahrzeuge mit ATE ESP sind zum Teil mit einem oder zwei Drucksensoren am Tandemhauptzylinder ausgestattet. Werden der Tandemhauptzylinder oder die Drucksensoren ausgetauscht, müssen letztere mit einem geeigneten Diagnosegerät neu kalibriert werden.

Praxistipp Bremsflüssigkeit
Bei allen Werkstattarbeiten an der Bremshydraulik ist darauf zu achten, dass die vorgeschriebene Bremsflüssigkeit eingesetzt wird. Das ist vor allem bei modernen Bremssystemen wie ABS und ESP besonders wichtig, um eine möglichst schnelle Reaktionszeit der Sicherheitssysteme zu gewährleisten. Für diesen Einsatzbereich hat Continental Teves die Bremsflüssigkeit ATE SL.6 im Programm. Sie soll sich durch eine besonders niedrige Viskosität auszeichnen, die dem ESP auch bei niedrigen Temperaturen kurze Reaktionszeiten ermöglicht. Die SL.6 ist laut Continental Teves bei vielen Fahrzeugherstellern Serienstandard und kann universell bei allen Fahrzeugen ab Baujahr 1990, für welche die Bremsflüssigkeitsnorm DOT 4 oder höher vorgeschrieben ist, eingesetzt werden.


Quelle: amz Nr. 12-2007 / Bilder: Linzing






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