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Wenn Räder nicht mehr laufen: Schadensbilder und -ursachen bei Nutzfahrzeug-Radlagern
Radlagerschäden können verschiedene Ursachen haben. Hier werden anhand von Schaubildern die wichtigsten Schäden erklärt - dies ist nicht nur für den Nutzfahrzeugspezialisten von Bedeutung.
Bereits in der Berufsschule lernt der angehende Kraftfahrzeugspezialist, dass ohne einwandfrei funktionierende Radlager ein komfortables und vor allem sicheres Fahrverhalten nicht gewährleistet ist. In der Regel kündigt sich der Ausfall eines Radlagers durch Geräusche an, wobei dann schnelles Handeln gefordert ist. Es ist nämlich nicht ausgeschlossen, dass sich das defekte Radlager endgültig verabschiedet und letztendlich zum Blockieren der Räder führt. Unfälle mit weitaus höheren Schäden können die Folge sein.
Der Lagerspezialist LuK gibt zwar an, dass heutige Radlager grundsätzlich auf die Lebensdauer eines Fahrzeugs ausgelegt sind. Der Verschleiss von Fahrwerksteilen, die jeweilige Fahrweise sowie eine unachtsame Wartung begünstigen allerdings einen vorzeitigen Ausfall.
Wie das Schaubild von LuK beweist, lässt sich in vielen Fällen ein kaputtes Lager direkt oder indirekt auf eine falsche oder unachtsame Montage beziehungsweise Wartung zurückführen. Hauptursache eines Radlagerausfalls ist immer noch eine falsche oder fehlende Schmierung. An zweiter Stelle folgt die Verschmutzung durch flüssige und feste Stoffe. Weitere Ursachen sind die ungeeignete Lagerauswahl hinsichtlich Lagertyp, Größe und Tragkraft. Montagefehler und Folgeschäden bilden mit je fünf Prozent das Schlusslicht.
Schmierungsfehler
Eine richtige und ausreichende Schmierung mit Schmierfett oder -öl eines Lagers ist unverzichtbar: Ohne Schmierung kann ein Lager nicht sachgerecht betrieben werden. Folge einer mangelhaften oder falschen Schmierung
sind blaue beziehungsweise braun verfärbte Wälzkörper. Auf dem Bild sind eindeutig Spuren davon auf der Lauffläche erkennbar. Daneben werden die Wälzkörper, die Ringe und der Käfig übermäßig abgenutzt. Ist eine Dichtung defekt, tritt Fett aus. Damit reduziert sich die erforderliche Schmiermittelmenge, was zu einer Überhitzung des Lagers führt. Insofern sollte der Fachmann bei Wartungsarbeiten an den Bremsen auch stets die Lagerdichtung erneuern.
Fett ist zudem nicht gleich Fett: Seine Eigenschaften richten sich unter anderem nach der mechanischen Belastung, dem Lagerwerkstoff, der Drehzahl, Umgebungseinflüssen und der geplanten Lebensdauer. Insoweit kann auch ein überaltertes, falsches oder nur zu wenig Schmierfett den Lagerausfall herbeiführen.
Korrosion
Rote beziehungsweise rostbraune Verfärbungen oder sogar Ablagerungen an den Rollkörpern, Laufbahnen oder Käfigen sind ein Zeichen von Korrosion. Sie verursachen Vibrationen, welche wiederum zu stärkerem Verschleiß führen. Gleichzeitig erhöht sich die Radialluft beziehungsweise die Vorspannung nimmt ab.

Korrosion entsteht, wenn Radlager ätzenden (sauren) Flüssigkeiten oder Dämpfen ausgesetzt sind. Insbesondere sollte der Lagerist darauf achten, Radlager niemals in einer korrosiven Umgebung, wie in der Nähe eines Beizraumes, aufzubewahren. Ein neues Radlager ist zwar immer mit einem dünnen Ölfilm versehen, dieser schützt hingegen lediglich vor normalem Schadstoffeintrag.
Nicht nur bei der Lagerung, sondern auch im eingebauten Zustand kann Korrosion auftreten. Dann sind häufig defekte Dichtungen oder ungeeignete Schmiermittel Ursache eines “rostigen” Lagers.
Verschmutzungen
Eindrücke an den Wälzkörpern und Laufbahnen sind Zeichen von (Schleif-)Stäuben, Schmutz oder abrasiven Substanzen. Die Folge sind Vibrationen am Lager. Dreckige Hände oder Werkzeuge können ebenfalls einen “Schmutz”-Beitrag leisten. Abhilfe schaffen hier oftmals Kleinigkeiten wie reinliche Arbeitsräume, saubere Werkzeuge und Hände. Schleifarbeiten sollten nur räumlich getrennt vom Lagermontageplatz ausgeführt werden. Bei Arbeitsunterbrechungen ist ein bereits eingebautes Lager unbedingt abzudecken. Dieses sollte darüber hinaus bis zu seinem Einbau in seiner Originalverpackung verbleiben.
Bordbrüche
Bordbrüche entstehen, wenn die axiale Belastung unzulässig hoch ist oder die seitliche Abstützung des Bords nicht ausreichend war. Am Schadensbild erkennt der Fachmann dann teilweise gebrochene oder sogar herausgetrennte Stützborde.
Ein solcher Schaden entsteht meistens, wenn das Lager mehrfach axialen Stoßbelastungen ausgesetzt ist; häufig ist dies bei Baustellenfahrzeugen der Fall. Aber auch ein Montage- oder Demontagefehler kommt als Ursache in Frage.
Vermeiden lässt sich ein solcher Bruch, indem das Lager nur in den zugelassenen Grenzen belastet wird. Um Montagefehler zu verhindern gilt es, die Montageanweisungen und -abläufe exakt einzuhalten. Außerdem muss der Fachmann stets das geeignete Werkzeug verwenden. Da viele Radlager sehr stramm auf der Welle sitzen, ist sogar eine Induktions-Vorheizeinheit zu empfehlen. Das damit erwärmte und geweitete Lager lässt sich so viel leichter einbauen.
Fazit
Der richtige Umgang mit Radlagern ist ein “Muss” in jeder Werkstatt. Fehlerhafte Arbeiten sind nicht nur “zeit”-intensiv, sondern “kosten” letztlich den Kunden.
Quelle: Krafthand 8/2007 Bilder: LuK
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