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40 Prozent sparen

Die Preise für Kotflügel und andere sichtbare Ersatzteile könnten deutlich sinken, wenn das Monopol der Autohersteller endlich fällt.

Deutsche Autofahrer haben kaum die Wahl: Bei Karosserieteilen wie Motorhauben, Kotflügeln und Frontstoßfängern müssen sie meistens auf Originalteile zurückgreifen, das Angebot im freien Handel ist begrenzt. Etwas besser sieht es bei Heckleuchten, Frontscheiben und Scheinwerfern aus. Aber eigentlich ist ein Nachbau all dieser Originalteile verboten. Die gesetzliche Grundlage bildet der Designschutz, den die Autohersteller in Deutschland auf sichtbare Ersatzteile beantragen. Trotzdem dulden sie ein bisschen Konkurrenz. Aber diese freiwillige Selbstverpflichtung der Industrie, ihr Monopol nicht durchzusetzen, ist nicht bindend - die Händler müssen sogar befürchten, dass der Staatsanwalt aktiv wird. Daher zögern mittelständische Teile-Produzenten, sich stärker zu engagieren.

Bild: ©Difydave (Modern Car Headlamp Unit), ©Palto (Beauty Lock) - istockphoto.com Den Preis für diesen gebremsten Wettbewerb zahlen die Autofahrer. Eine Studie des Europäischen Verbands der Versicherungswirtschaft zeigt, dass die Endkundenpreise in Ländern mit freiem Handel im Schnitt 9,8 Prozent niedriger ausfallen. Experten sind sicher, dass das Sparpotenzial in Deutschland sogar bei 30 bis 40 Prozent liegt. Und anders als die Gegner einer Liberalisierung behaupten, stellen die günstigeren Alternativen zu den Originalteilen keinesfalls ein Sicherheitsrisiko dar.

Die Europäische Kommission und das EU-Parlament wollen freien Wettbewerb. Aber Frankreich und Deutschland blockieren über den Ministerrat eine Reparaturklausel, die sichtbare Kfz-Teile vom Designschutz ausnehmen würde. Damit sichern sie Autoherstellern ihre marktbeherrschende Stellung. Verbraucherschützer drängen auf einen Politikwechsel. “Das Ersatzteil-Monopol bringt den Autobauern satte Zusatzrenditen auf Kosten der Verbraucher”, sagt Gerd Billen, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands. “Es ist höchste Zeit, dass die Politik den Markt öffnet, um diesen Zustand zu beenden.”

Das fordert auch ADAC-Präsident Peter Meyer, der an die Bundesregierung appeliert, endlich freien Wettbewerb zu ermöglichen. “Eine Monopolstellung der Fahrzeughersteller führt zu einem Preisdiktat”, sagt Meyer, der betont, dass er nicht gegen Designschutz auf Neufahrzeuge sei: “Die Leistungen deutscher Designer sollen angemessen honoriert werden.” Aber die bezahle der Autofahrer schon mit dem Kauf seines Wagens. “ Beim Kauf eines Kotflügels oder eines Scheinwerfers darf er dafür nicht noch mal zur Kasse gebeten werden.

Vielleicht bringt Ungarn Bewegung ins Milliardenspiel. Dort gibt es, wie auch in neun weiteren EU-Staaten, keine Beschränkungen beim Handel mit sichtbaren Ersatzteilen. Im Januar übernimmt Ungarn die EU-Ratspräsidentschaft und könnte eine EU-weite Liberalisierung auf die Tagesordnung bringen - Nachhilfe in freiem Wettbewerb von einem ehemals kommunistischen Land.


Quelle: ADAC Motorwelt 11/2010



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