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Präzisions-Arbeit: Tipps für die fehlerlose Achsvermessung
Werkstattprofis, die die Grundregeln der Achsvermessung stets im Blick behalten, können leicht Fehlerquellen ausschalten und somit ein präzises Messergebnis erzielen. Hier sind die wichtigsten Tipps zusammengestellt.
Eine nicht korrekt eingestellte Achsgeometrie erhöht den Rollwiderstand und den Reifenverschleiß, verändert das Lenkverhalten des Fahrzeugs und beeinträchtigt somit in erheblichem Maße die Sicherheit des Fahrers. Auch wenn das Prüfen der Fahrwerkseinstellung nicht in den Wartungsplänen der Automobilhersteller vermerkt ist, sprechen die genannten Argumente dafür, die Achsvermessung als Zusatzdienstleistung in den Inspektionsumfang aufzunehmen. Unerlässlich ist sie jedoch bei ungleichmäßig abgefahrenen Reifen und nach Reparaturarbeiten am Fahrwerk.
Viele Werkstätten scheuen sich davor, die Achsvermessung in ihr Dienstleistungsportfolio aufzunehmen, sei es wegen der relativ hohen Investition in ein modernes Achsmesssystem, der mangelnden Erfahrung mit der Thematik oder der Angst, etwas falsch zu machen und sich somit Ärger ins Haus zu holen. Letzteres Argument ist nachvollziehbar: Beim Achsvermessen kann in der Tat viel schief gehen. Die Fahrwerke moderner Fahrzeuge haben sehr geringe Toleranzen und verzeihen keine Fehler beim Einstellen. Wer sich deshalb aber von der Achsvermessung distanziert, verschenkt viel Potenzial für zusätzliche Reparaturaufträge.
Justierter Arbeitsplatz
Oft sind es nicht die Messgeräte, sondern die Randfaktoren, die zu einem falschen Achsmessergebnis führen. Dazu zählt zuallererst der Arbeitsplatz für die Achsvermessung, sei es eine Grube, eine Viersäulen- oder Scherenhebebühne. Entscheidend ist, dass der Arbeitsplatz stets sauber gehalten wird und exakt justiert ist. Konkret: Der Höhenunterschied zwischen rechter und linker Fahrschiene darf nicht größer als ein Millimeter sein. Diagnonal gemessen muss der Höhenunterschied unter zwei Millimeter liegen. Abweichend von diesen allgemeinen Werten stellen einige Automobilhersteller noch schärfere Anforderungen an den Messplatz. So schreibt BMW beispielsweise einen maximalen Höhenunterschied zwischen rechts nach links von maximal einem halben und diagonal gemessen von nur einem Millimeter vor. Der Grund für diese exakten Arbeitsplatzvorgaben ist schnell erklärt: Steht das Auto bei der Achsvermessung nicht genau in der Horizontalen, werden die gravitationsbezogenen Achsmesswerte wie Sturz und Nachlauf verfälscht. Deshalb wird empfohlen, mindestens einmal im Jahr des Achsmessplatz zu überprüfen und gegebenenfalls die Nivellierung nachzujustieren.
Zum Achsmess-Arbeitsplatz gehören auch die Dreh- und Schiebeplatten. Diese müssen sehr sorgfältig behandelt und stets sauber gehalten werden. Dazu sollte der Fachmann sie stets abdecken und nicht mit fetthaltigen Mitteln einsprühen. Denn viele universelle Werkstattsprays binden die Schmutzpartikel. Müssen Dreh- und Schiebeplatten gereinigt werden, wird empfohlen, ein nicht nachfettendes Reinigungsmittel zu verwenden, etwa Kaltreiniger.
Auch das Achsmessgerät muss in regelmäßigen Abständen überprüft und gegebenenfalls neu justiert werden. Das gilt besonders für CCD-Achsmesssysteme, bei denen die Messelektronik direkt am Rad befestigt ist. Hier kann es in der Hektik des Werkstattalltags schnell mal passieren, dass ein Messwertaufnehmer herunterfällt oder beschädigt wird. In solchen Fällen sollte sofort eine Justage des Gerätes erfolgen, um Fehler bei nachfolgenden Messvorgängen zu vermeiden.
Fahrzeugseitige Fehlerquellen erkennen
Wie beim Arbeitsplatz müssen auch am Fahrzeuge zahlreiche Bedingungen erfüllt sein, will man ein präzises Achsmessergebnis erzielen. So muss vor jeder Achsvermessung eine gründliche Sichtprüfung erfolgen. Dabei muss der Fachmann sicherstellen, dass alle Fahrwerkskomponenten in Ordnung sind und kein Spiel aufweisen. Hierbei sind vor allem die Traggelenke, die Spurstangenköpfe und die Radlager zu prüfen. Gegebenenfalls sind die vom Hersteller vorgeschriebenen Spurdrücker einzusetzen. Auch den Zustand der Stoßdämpfer und der Federelemente sollte der Fachmann in Augenschein nehmen.
Einen prüfenden Blick muss der Fachmann auch auf die Reifen werfen. Dabei ist sicherzustellen, dass an allen vier Rädern die gleiche Reifengröße montiert ist - es sei denn, unterschiedliche Reifengrößen sind bereits ab Werk verbaut. Auch die Profiltiefe je Achse muss identisch sein. Nach der Sichtprüfung muss der Fachmann noch den Reifendruck prüfen, gegegebenenfalls einstellen.
Passen die allgemeinen Rahmenbedingungen, muss der Werkstattfachmann das Fahrzeug den Herstellerangaben entsprechend konditionieren. Hierzu zählt etwa das Beladen mit Gewichten oder das Einstellen eines vorgegegebenen Niveaus. Hier wird den Werkstattprofis geraten, sich exakt an die Vorgaben des Herstellers zu halten, mit einer Ausnahme: Bei Handwerkerfahrzeugen wird empfohlen, die Einstellung in dem Zustand vorzunehmen, in dem das Fahrzeug überwiegend bewegt wird. Und noch ein Expertentipp: Beim Anbringen des Bremspedalspanners sollte der Fachmann diesen nicht mittig, sondern leicht versetzt am Fahrersitz abstützen. So lässt sich der Lenkradfeststeller nachträglich montieren, ohne den Bremspedalspanner lösen zu müssen.
Passen die Rahmenbedingungen, steht einer präzisen Fahrwerksvermessung nicht mehr viel im Weg. Die meisten am Markt angebotenen Messsysteme arbeiten sehr genau und führen den Anwender mit leicht verständlichen Anweisungen Schritt für Schritt durch den Messvorgang. Wichtig ist es jedoch, die Software der Geräte stets auf dem aktuellen Stand zu halten, damit immer mit aktuellen Sollwerten gearbeitet wird.
Bei allen softwaregestützten Hilfestellungen darf allerdings der Faktor “Mensch” aber nicht übersehen werden. Fachleute, die eine Achsvermessung und -einstellung vornehmen, müssen wissen was sie tun. Dazu gehört das Grundwissen über die Fahrwerksgrößen und deren Auswirkungen auf das Fahrverhalten. Regelmäßige Schulungen und Praxiserfahrung sind daher unerlässlich, um das Fahrwerk reklamationsfrei einstellen zu können. Apropos Einstellen: Die meisten Probleme beim Einstellen des Fahrwerks ergeben sich durch eingerostete Einstellschrauben. Das Erhitzen von Fahrwerkskomponenten ist aber strikt zu unterlassen. Denn Wärme verändert das Gefüge des Materials, was im schlimmsten Fall zu einem Bruch führen kann. Lassen sich festgerostete Einstellelemente nicht mit Rostlöser gangbar machen, muss das Bauteil ersetzt werden.
Ein weiterer kritischer Punkt beim Einstellen des Fahrwerks ist das Geradestellen des Lenkrades. Hier wird empfohlen, das Lenkrad von außen durch die geöffnete Scheibe mit Hilfe einer Lenkradwasserwaage exakt in Geradeausstellung zu bringen und in dieser Position zu fixieren. Anschließend sind die Spur- und Sturzwerte rechts und links im Toleranzbereich auszumitteln. Einige Geräte führender Hersteller bieten dafür auch einen speziellen Programmpunkt an. Steht das Lenkrad nach dem Einstellen des Fahrwerks nicht gerade, ist eine Kundenreklamation so gut wie sicher. Zudem besteht die Gefahr, dass eine Fehlermeldung seitens der Fahrsicherheitssysteme aufgrund der veränderten Null-Stellung des Lenkwinkelsensors ausgegeben wird.
Nach jeder Veränderung der Fahrwerkseinstellung wird grundsätzlich eine Probefahrt empfohlen. Hierbei sind Lenkverhalten bei Geradeausfahrt, in Kurven und beim Ein- und Ausfedern sowie die korrekte Geradeausstellung des Lenkrades zu prüfen. Zudem ist zu bedenken, dass jede Achsvermessung eine Momentaufnahme darstellt. Deshalb wird geraten, bei jeder Vermessung den Kilometerstand exakt zu dokumentieren. Mit diesen Maßnahmen lassen sich Reklamationen effektiv vorbeugen. Außerdem ist es wichtig, dass der Fachmann dem Kunden die Ergebnisse des Messprotokolls anschaulich und leicht verständlich erklären kann. Das steigert die Kompetenz der Werkstatt und hilft, den notwendigen Arbeitsaufwand zu belegen.
Nachfolgend alle Achsmesstipps und die Stolperfallen kurz zusammengefasst:
Arbeitsplatz
» Auf Sauberkeit achten
» Nivellierung jährlich prüfen
» Drehteller und Schiebeplatten sauber halten und mit nicht nachfettenden Mitteln reinigen
Fahrzeug
» Radlager, Spurstangen und Traggelenke auf Spiel und Verschleiß prüfen
» Gummi-Metall-Elemente an Achsen prüfen
» Stoßdämpfer und Federelemente prüfen
» Reifenprofiltiefe prüfen
» Reifendruck prüfen und ggf. einstellen
» Reifengröße auf Zulässigkeit prüfen
» Exaktes Konditionieren nach Herstellervorgaben
Achsmessgerät
» Achsmessgerät mindestens einmal pro Jahr justieren, spätestens aber nach Reparaturmaßnahmen
» Software und Sollwertdatenbank regelmäßig aktualisieren
Mechaniker
» Regelmäßig Schulungen besuchen
» Sorgfältig arbeiten
» Vorgaben der Automobilhersteller kennen und umsetzen
» Probefahrt vor und nach Einstellarbeiten
» Kilometerstand auf Protokoll exakt festhalten
Quelle: amz - auto | motor | zubehör Nr. 11-2009
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