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Kleine Zündkerzen-Kunde

Die Zündkerzen moderner, aufgeladener Mehrventilmotoren müssen hinsichtlich Bauraum und Leistungsfähigkeit enorm viel leisten. Das hat auch Konsequenzen für den Werkstattfachmann, der sein Fachwissen zum Thema Kerzen um einige Punkte bereichern sollte. Hier finden Sie die Tipps der Zündkerzen-Profis von BERU zu den neuesten Entwicklungen.
Bild: © BERU Aktiengesellschaft
Zündaussetzer als Kundenreklamation nach dem Kerzenwechsel sind immer noch recht häufig, obwohl dies eigentlich völlig unnötig und vermeidbar ist. Grund sind oft die gestiegenen Anforderungen an das Material, auch bedingt durch die beengten Einbauverhältnisse.

Zwei Umstände tragen wesentlich dazu bei, dass moderne Zündkerzen mit deutlich mehr Sorgfalt behandelt werden sollten, als dies früher der Fall war. Zum einen schreiben die Fahrzeughersteller deutlich seltener einen Zündkerzenwechsel vor, zum anderen sind die Gewindedurchmesser und -längen (auch als Folge von Downsizing-Konzepten) immer kleiner geworden. Einige Gewinde aktueller Pkw-Zündkerzen sind bereits bis auf M12 verkleinert. Das führt dazu, dass öfter als in der Vergangenheit Kerzen regelrecht festbrennen und sich nur schwer lösen lassen.

Nicht mit Gewalt!
Sind die Zündkerzen dann auch noch mit Zwölfkant versehen, missglückt der Kerzenausbau besonders leicht, wenn der Werkstattmann einen Sechskant- Kerzenschlüssel verwendet. Zudem sollte auch zum Ausbau ein Drehmomentschlüssel zum Einsatz gelangen, denn nur so lässt sich ein Abreissen der Zündkerzen sicher verhindern. Dazu stellt der Fachmann den Schlüssel auf einen Wert unterhalb des Bruch-Drehmoments ein.
Das “Bruchmoment” einer Zündkerze mit 18-mm-Gewinde beträgt 60 Nm, mit 14-mm-Gewinde 50 Nm und mit 12-mm-Gewinde 40 Nm. Lässt sich die Kerze damit nicht lösen, sollten sicherheitshalber “rostlösende” Maßnahmen zum Einsatz gelangen, bevor der Fachmann einen weiteren Ausbauversuch unternimmt. Günther Vogt, Abteilungsleiter Handel/Technik bei Beru rät: “Einige Tropfen Vollsynthetik-Motorenöl oder herkömmliche Rostlöser sind für diesen Zweck sehr gut geeignet.”
Bestehen Zweifel, ob die Zündkerze beim letzten Kerzenwechsel mit dem korrekten Anzugsdrehmoment angezogen worden ist, hilft ein Vermessen des Faltdichtungsrings. Im Neuzustand ist der Dichtungsring einer Zündkerze mit 14-mm-Gewinde, der die gasdichte Verschraubung mit dem Zylinderkopf sicherstellt, 2 mm stark. Nach einem korrekten Anziehen und dem Ausbau ist der Dichtungsring noch 1,59 bis 1,29 mm dick. Das entspricht einem Anzugsdrehmoment von 25 Nm. Anhand der Reststärke lässt sich das Anzugsdrehmoment näherungsweise bestimmen: Ist der Ring beispielsweise noch 1,61 mm dick, war das Moment um 10 Nm zu niedrig, Restdicken von 1,24 bis 1,15 mm weisen auf Anzugsmomente von 50 bis 100 Nm hin.
Um beim Ausbau der Kerzen einen Schmutzeintrag in den Motor sicher zu vermeiden, sollte der Kfz-Profi den Kerzenkanal mit einem Pinsel reinigen oder mit Pressluft ausblasen (Schutzbrille!), nachdem er die Kerze gelöst, sie aber noch nicht komplett ausgedreht hat.

Das falsche Moment
Zündkerzen “nach Gefühl” anzuziehen ist heutzutage nicht mehr anzuraten, sind doch die Folgen falsch angezogener Zündkerzen mitunter fatal. So besteht bei zu leicht angezogenen Kerzen die Gefahr, dass sie sich lockern. Eine Folge sind Undichtigkeiten, eine andere abgebrochene Masseelektroden: Eine lockere Zündkerze kann sich so in Schwingung versetzen, dass die Eigenresonanzen ausreichen, um die Masseelektrode abzubrechen.
Wärmestau ist eine weitere Folge zu locker sitzender Zündkerzen, denn etwa 30 Prozent der einwirkenden Verbrennungshitze führt die Zündkerze über das Gewinde ab, ebenso viel über den Faltdichtungsring. Liegt dieser nicht auf dem Sitz auf, überhitzt die Kerze, von der Undichtigkeit abgesehen. Ob eine Kerze schon einmal locker saß, lässt sich an der dunklen Verfärbung durch die unverbrannten Kohlenwasserstoffe ablesen.

Kontrollierter “Funkenflug”
Metallabrieb von der Zündkerze, hervorgerufen durch ungeeignetes Montagewerkzeug, kann im Betrieb zu Funkenüberschlägen und so zu einem frühzeitigen Ausfall der Zündkerze führen. Deshalb bietet BERU den so genannten “Bi-Hex”-Zündkerzenschlüssel mit abgerundeten Ecken an. Damit erfolgt keine unnötige Belastung des Zwölfkants der Zündkerzen, integrierte Magnete übernehmen das Halten der Zündkerze während des Ein- und Ausbauvorgangs, was Metallabrieb vermeidet.

Treten nach dem Zündkerzenwechsel sporadisch Zündaussetzer auf, so kann das auch an einem undichten, versprödeten oder beschädigten Zündkerzenstecker liegen. Vermeiden lässt sich dies durch leichtes Einfetten des Steckers mit einem speziellen Kerzensteckerfett, wie es BERU im Sortiment hat. Insbesondere bei Einzel- und Doppelfunken-Zündspulen empfiehlt Beru jedoch, die Stecker zusammen mit den Zündkerzen zu erneuern.

Oft nehmen die Kerzenstecker bereits beim Abziehen von der Kerze Schaden, wenn der spröde, festgeklebte Gummi einreisst und damit undicht wird. In einigen Fällen lässt sich eine Beschädigung vermeiden, wenn man den Kerzenstecker zuerst leicht dreht und ihn so vom Isolator löst. Ein erneutes ‚Anbacken’ lässt sich mit dem Einsatz des Steckerfetts verhindern. Sind am Isolator der ausgebauten Zündkerze Spannungsüberschläge zu erkennen, deutet dies ebenfalls auf undichte, versprödete Kerzenstecker hin. Hier hilft neben neuen Zündkerzen nur ein Tausch der Stecker sowie Steckerfett bei der Montage.

Mit diesem Wissen und entsprechenden Montagehilfen lassen sich nahezu sämtliche Zündkerzenprobleme erkennen und beseitigen. Kundenreklamationen nach dem Kerzenwechsel können somit der Vergangenheit angehören. Denn in der heutigen Zeit sind zufriedene Kunden wichtiger denn je.


Quelle: BERU Aktiengesellschaft




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