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Sanfte Gewalt: 'Soft Docking' von Haldex
Der Rückwärtsgang ist eingelegt. Sanft kommt die Kupplung. Kurzer Gasstoß: Die Rampe rückt näher. Drei Meter bis zu den schwarzen Puffern mögen es noch sein, da tritt Soft Docking in Aktion. Vom Auflieger her beginnt es unüberhörbar – trotz des Lärms der vielen Lastzüge an diesem geschäftigen Ort - schrill zu piepsen. Und die hintere Begrenzungsleuchte setzt an, in moderater Frequenz zu blinken.
Mit jeder Handbreit, die der Lastzug der Rampe näher kommt, steigert sich die Frequenz sowohl der akustischen als auch der optischen Warnung. Das schnelle
Staccato der Warnakustik geht in Dauerton über. Der Fuß bleibt sachte auf dem Gaspedal. Doch der Trailer bremst, wie von Geisterhand gestoppt, zum Stillstand ab. Soft Docking hat seine Funktion erfüllt.
Kurz ausgestiegen und die Lage am Heck in Augenschein genommen, ergibt sich folgendes Bild: Rund ein Meter Distanz trennt den Auflieger noch von den schwarzen Gummipuffern der Rampe, deren zernarbtes Profil von manch unsanfter Annäherung zu erzählen weiß. Just solch stürmische Kontakte mit der Rampe zu verhindern, dafür ist das Haldex-System Soft konzipiert, indem es den Fahrer schon ab drei Meter Distanz zur Dockingstation zu warnen beginnt. Nähert sich das Fahrzeugheck der Rampe um weniger als einen Meter, aktiviert das System, an Geschwindigkeit und Gewicht der Ladung automatisch angepasst, die Bremsen, sodass das Fahrzeug zum Stillstand kommt.
Ungefähr zwei Sekunden bleiben die Bremsen des Trailers aktiviert, bis Soft Docking die Bremsen wieder löst und dem
Fahrer freie Hand fürs endgültige Andocken an die Rampe gibt. „Das ist eine feine Sache“, sagt Fahrer Waldemar Hoffmann, der mit diesem Zug in Diensten der Spedition Nord-Süd unterwegs ist. Hoffmann weiter: “Da bin ich immer genau im Bild, wann es kritisch wird.”
Das Rückwärtsfahren hat so seine speziellen Tücken. Rund 35 Prozent aller Beschädigungen, so sagt es die Statistik, erleidet das Fahrzeug beim Zurückstoßen. Je mehr Abladestellen ein Lkw also ansteuert, desto höher wird sein Risiko, am Heck Schaden zu nehmen. Besonders ärgerlich ist dies bei Kühlfahrzeugen, deren Kofferaufbau weder leicht noch schnell und schon gar nicht billig zu reparieren ist.
Die Auswertung französischer Flotten- und Versicherungsdaten ergibt gar, dass ein Kühlfahrzeug ungefähr alle drei Monate einen Rempler hinnehmen muss, der
Schäden in Höhe von durchschnittlich 300 bis 700 Euro hinterlässt. Die Stillstandskosten schlagen dann noch einmal mit 250 bis 600 Euro täglich zu Buche. Bei einer jährlichen Laufleistung von 150.000 Kilometern kommen auf diese Weise schnell mal 2000 bis 5000 Euro zusammen, die auf zu forsches Andocken zurückgehen.
Derbe Schläge, die umfassende Reparaturen am Heck des Aufliegers unumgänglich machen, reißen noch tiefere Löcher ins Portemonnaie: Geht es um Rahmen
sowie Türen, dann kann der Gesamtschaden inklusive Ausfall des Fahrzeugs (rund eine Woche) schnell auch fünfstellige Eurobeträge erreichen. Wobei die Statistik sagt: Alle zwei Jahre tritt solch ein gravierender Schadensfall auf.
Deutlich unter 1000 Euro liegt indes der Einstandspreis für Soft Docking: Das System rechnet sich also schnell. Adam Purshall, Fuhrparkleiter der britischen Spedition TM Logistics (150 Lkw, 260 Trailer, 24 Millionen Kilometer pro Jahr), hat Soft Docking ausgiebig getestet und zieht folgende Bilanz: “Das bringt generell mehr Sicherheit.” Und weiter: “Außerdem bin ich überzeugt davon, dass uns dieses System einiges an Kosten sparen wird.”
Konsequenz daraus: Zwölf neue Trailer hat Purshall mit Soft Docking von Haldex bestellt, das von nun an zur Standardspezifikation aller neu beschaffter Trailer
gehören wird. “Soft Docking hat sich selbst dann bewährt, wenn der Trailer mit Karacho an die Rampe gefahren wurde”, lautet das Fazit aus Tests der schärferen Gangart, die in der täglichen Praxis zur Nachahmung natürlich nicht empfohlen wird. Purshall weiter: “Das System ist darüber hinaus auch absolut leicht und problemlos zu installieren.”
In der Vollausstattung besteht Soft Docking aus zwei ADR-tauglichen Ultraschallsensoren am Fahrzeugheck, zwei Positionsleuchten in robuster LED-Technik sowie einem akustischen Warntongeber. Das System funktioniert als Stand-Alone-Lösung, erfordert also keine Verbindung zur ziehenden Einheit. Nötig ist allerdings EB+. Kompatibel ist Soft Docking sowohl zur ersten als auch zur zweiten Generation von EB+; in die Software der aktuellen Version der Bremselektronik ist Soft Docking bereits integriert.
Die Software kann vom Fahrzeughersteller während der Konfiguration des Neufahrzeugs aktiviert werden, sie lässt sich aber auch bei bereits in Dienst befindlichen Fahrzeugen problemlos nachträglich aufspielen. Und wem die automatische Bremsfunktion bei einem Meter Distanz zur Rampe genügt, der kann Soft Docking auch in einer preislich besonders attraktiven abgespeckten Version ordern, die auf optische und akustische Warnung verzichtet.
Quelle: Haldex Europe SAS (Haldex Magazine Frühjahr 2009)
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